Smartphones sind bekanntlich ein kompletter Mini-PC, Hardware-technisch mit leistungsstarken Platinen-PCs zu vergleichen, dabei kompletter ausgestattet. Ausrangierte Smartphones sind daher dankbare Kandidaten fürs Re-und Upcycling.
Das Display hat einen Sprung, der Akku ist hinüber, oder der Arbeitgeber hat ein neues Modell spendiert: Selbst bei Pragmatikern, die nicht an der hochansteckenden Volkskrankheit Neophilie leiden, landen Smartphones irgendwann in der Schublade ?Elektroschrott“. Dabei ist kaum eine andere Ger?teklasse so gut geeignet, neue Aufgaben zu übernehmen. Bastler, die gerade überlegen, sich einen Platinenrechner, ein Mobilradio, eine IP-Kamera (und, und, und …) anzuschaffen, sollten erst das alte Handy aus der Schublade holen. CPU-Leistung, RAM und vor allem die Peripherie-Ausstattung sind exzellent, lediglich an Anschlussports mangelt es.
Andere Ger?te ins Netz bringen
Auch ?ltere Android-Smartphones bieten standardm??ig Netzwerkfunktionen, die sie zumindest zur Behelfsbrücke ins Internet bef?higen. Hat ein PC oder ein Notebook im Heimnetz keinen funktionierenden WLAN-Adapter und keine Kabelverbindung, hilft das Smartphone aus: Das Smartphone muss selbst mit dem WLAN verbunden sein und über sein USB-Kabel mit dem Rechner. Sobald unter ?Verbindungen -> Weitere Einstellungen -> Tethering […] -> USB-Tethering“ aktiviert ist, erh?lt der Rechner eine ?Kabelnetzverbindung“ und kann ins Internet.
Eine etwas aufwendigere L?sung macht das ausgediente Handy zum mobilen WLAN-Hotspot für Notebooks oder Tablets, die kein Mobilfunknetz besitzen. Dazu muss das Handy über ?Mobile Daten“ im Netz sein und dieses über ?Verbindungen -> Weitere Einstellungen -> Tethering […] -> Mobiler WLAN-Hotspot“ als WLAN anbieten. Damit k?nnen sich dann andere Ger?te wie gewohnt verbinden. Eine solche L?sung l?sst sich etwa dauerhaft im Auto realisieren, wenn Sie das Handy mit einem Ladeadapter mit Strom versorgen (ab circa zehn Euro). Aufwendiger ist dieses Szenario aber auch deshalb, weil das recycelte Smartphone eine aktive SIM-Karte ben?tigt.
Apps und Server-Apps für einzelne Funktionen
Mit Kamera, Mikrofon, Audio Line Out, GPS, Bewegungssensoren, WLAN, Bluetooth und Mobilfunknetzen, USB-Zugriff (OTG), Hotspot-Funktion sowie DLNA-Medien-Streaming (?Ger?te in der N?he“) haben auch ?ltere Android-Smartphones viel Potenzial an Bord. Manche Apps nutzen lediglich diese Ger?tefunktionen mehr oder weniger kreativ, andere fügen einen kleinen Server hinzu, um die gewünschte Komponente über den Browser oder eine andere Netz-Software auf anderen Rechnern anzubieten. Hier nur wenige typische Beispiele:
Das Handy als Kamera: Ein altes Smartphone bringt alles mit, um als IP-Webcam oder überwachungskamera zu arbeiten. Das einzige technische Problem ist die Fixierung des Handys an der gewünschten Position; die sollte für einen l?ngeren Einsatz zudem in der N?he einer Steckdose liegen. Der Rest ist einfach: Die Android-App IP Webcam ist schnell installiert. In den App-Einstellungen aktivieren Sie ?Local broadcasting“ und den untersten Punkt ?Starte Server“. Schon geht’s los. Wenn Sie die IP-Adresse des Handys nicht kennen, hilft die App mit dem Punkt ?Wie verbinde ich mich?“. Jeder Browser im gleichen Netz zeigt den ?Android Webcam Server“ nach Eingabe der IP in die Adresszeile. Der Live-Stream erscheint, sobald Sie hier einen ?Video Renderer“ anklicken. über ?Aufnahme Kontrolle“ l?sst sich der Stream aufzeichnen, der dann am Handy unter ?/ipwebcam_videos“ abgelegt wird. Einzelfotos speichern Sie am einfachsten gleich am PC mit ?Foto Ausnahme“ und dann ?Bild speichern unter“ im Browser. Die App bietet überdies zahlreiche Qualit?ts-und Feineinstellungen.
Das Handy als Daten-und Medienserver: Um Audio-und Videodateien vom Handy zu streamen, brauchen Sie noch nicht mal eine spezielle App (wie BubbleUPnP). Nicht allzu alte Android-Smartphones zeigen unter ?Verbindungen“ die Option ?Ger?te in der N?he“. Es genügt diese zu aktivieren, und schon erscheint die Medienbibliothek auf den Rechnern und TV-Ger?ten im Netz – als UPnP-Medienbibliothek (PC) oder als ?All Share“-Quelle (TV).
Wer das Smartphone zu einem echten NAS-Server ausbauen will, muss Kompromisse eingehen und einige technische Probleme l?sen. Da der Verkehr über das Funknetz laufen muss, sollte das WLAN wenigstens stabil und schnell sein. Wir konnten einen Durchsatz von 40 bis 50 MBit/s erzielen, was sicher nicht schnell ist, aber für Streaming und Büro-Backups allemal ausreicht.
N?chster Punkt ist der Speicherplatz:Ohne externe USB-Festplatte h?tte der Smartphone-Server seinen Namen nicht verdient. Nun ist es zwar kein Problem, mit einem USB-OTG-Kabel (circa fünf Euro) eine USB-Festplatte anzuschlie?en. Wenn diese keine eigene Stromversorgung hat, müssen Sie jedoch ein USB-OTG-Y-Kabel (ab acht Euro) w?hlen.
Das Hauptproblem: H?ngt eine Festplatte am Micro-USB-Adapter des Handys, kann das Smartphone nicht gleichzeitig laden. Damit w?re das Server-Projekt eigentlich begraben – es sei denn, Sie entschlie?en sich zu einem Upcycling mit geeigneter Investition: Multimedia-Docking-Stations insbesondere für Samsung-Smartphones (Produktbezeichnungen EDD-S20E und ?hnlich) bieten USB-Anschlüsse, HDMI, Audioausgang plus Ladefunktion. Sie kosten 20 Euro aufw?rts, Markenprodukte 45 bis 70 Euro. Achten Sie auf die angegebenen kompatiblen Smartphone-Modelle und darauf, dass Ladefunktion und USB-Anschluss gew?hrleistet sind.
Passende Apps gibt es in Menge: Servers Ultimate mit Servers Ultimate Pack B (für Samba), ferner Samba Droid bringen die Smartphone-Daten zu Linux-und Windows-Rechnern, fordern aber zu diesem Zweck ein gerootetes Android. Wem eine Weboberfl?che für Up-und Downloads reicht, kommt ohne Rooten mit Droid over Wifi über die Runden.
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